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Erdbebenwellen von Sumatra nach Mauer

16. November 2005

Erdbebenwellen von Sumatra nach Mauer

16. November 2005

Ein Blick ins tiefe Erdinnere

Vortrag von PD Dr. Joachim Ritter, Geophysikalisches Institut der Universität Karlsruhe

Erich Mick  (links) Frau Ellen Lauterbach und Armin Budig (rechts). Einen Blick ins tiefe Erdinnere warf der Verein Homo heidelbergensis gemeinsam mit dem Referenten Dr. Joachim Ritter vom geophysikalischen Institut der Uni Karlsruhe bei seinem Vortrag vor vollbesetztem Saal des Heid'schen Hauses. Der erste Vorsitzende Erich Mick hieß herzlich willkommen und würdigte in diesem Zusammenhang das große Engagement der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ellen Lauterbach, die sich nicht nur durch ihre finanzielle Unterstützung um die Bibliothek des Vereins verdient gemacht hatte, sondern auch die erste Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift des Vereins mit Namen Palaeos ermöglichte. Als kleines äußeres Zeichen des Dankes überreichte er an Ellen Lauterbach ein Mineral, das von Vereinsmitglied Armin Budig in einem Mauerer Steinbruch gefunden wurde.

Tiefenstruktur

Seit einiger Zeit steht im Keller der Friedhofskapelle in Mauer eines von 32 mobilen Erdbebenmessgeräten, dessen Aufgabe es ist, die Bodenbewegungen hier und in der Umgebung aufzuzeichnen sowie die Wellenausbreitung bei Erdbeben festzuhalten. Das hochempfindliche Gerät ist sogar in der Lage den Wellengang in der Nordsee zu messen. Es wurde im Rahmen des Projekts "Tiefenstruktur des mittleren Oberrheingrabens" (TIMO) aufgestellt, um die Struktur und die Entwicklung des Oberrheingrabens besser verstehen zu lernen und um die oberen 100 km des Erdinnern zu erforschen. Die Aufzeichnungen bei Erdbeben bilden die Grundlage, um Aussagen über den Aufbau des Planeten Erde zu machen, denn gleich einer medizinischen Computertomographie nutzt die Geophysik die seismische Tomographie, die dreidimensionale Abbilder vom Erdinnern erstellen kann.

Wellenausbreitung

Dr. Ritter konnte anhand der Aufzeichnungen nachweisen, dass das große Erdbeben in Sumatra (eines der größten globalen Ereignisse der letzten Zeit und 35 000 mal stärker als die Hiroshimabombe) am 26.Dezember des vergangenen Jahres, das die verheerende Tsunami-Welle zur Folge hatte, sich im Seismogramm des Gerätes deutlich wieder findet. Die Wellenausbreitung wurde von dem Gerät in Ost-West-Richtung, in Nord-Süd-Richtung und vertikal gemessen. Dabei werden drei generelle Wellentypen unterschieden, die P-Welle (primäre Welle - durch Zusammendrücken und Ausbreiten der Gesteinspartikel in Richtung der Erdbebenwellen), die S-Welle (sekundäre Welle, durch Scherung des Materials senkrecht zur eigentlichen Ausbreitung) und die so genannte Oberflächenwellen. Auslöser des Sumatrabebens mit einer Magnitude von 9,3 sei eine Bandverschiebung am Meeresgrund in der Sumatra Region gewesen. Dies hatte eine globale Tsunami-Welle mit einer Höhe von bis zu 30 m zur Folge, die in den restlichen Weltmeeren auf eine Höhe von 20 cm schrumpfte. Die Bruchlänge habe sich auf 1150 km erstreckt. Die Bruchgeschwindigkeit lag bei 2,3 bis 2, 7 km/sec und der Bruch dauerte zwischen 480 bis 500 sec.

Treibende Kräfte

PD Dr. Joachim Ritter, Geophysikalisches Institut der Universität Karlsruhe Dr. Ritter sprach über die Erkenntnisse zum Erdaufbau von Kruste, Erdmantel und Erdkern. Das Bild der Erde entspreche dem eines Apfels mit den gleichen Größenverhältnissen, von Schale, Fruchtfleisch und Kern. Aufgrund der Wellenausbreitung können Wissenschaftler Aussagen über das Erdinnere machen. Während man davon ausgeht, dass der äußere Erdkern aus einem flüssigen Eisen-Nickel-Gemisch besteht, muss im Erdkern dasselbe Material in fester Form vorliegen. In beiden Bereichen existieren hohe Temperaturunterschiede, die die treibenden Kräfte darstellen. Die schnellen metallischen Strömungen im Erdkern erzeugen auch das Erdmagnetfeld. Dr. Ritter sagte: "Die Hitze treibt vieles an, was an der Erdoberfläche passiert. Die Wärme möchte nach außen und weg in kältere Bereiche gehen. Die Strömungen erkalten und bilden die festen Lithosphärenplatten in den Ozeanen, ähnlich einer Wachsschicht. Die Strömungen im Erdinneren sind dafür verantwortlich, dass die Erdplatten an der Erdoberfläche hin und her geschoben werden. Die Konsequenz ist ein Erdbeben."

Oberrheingraben

Dr. Ritter ging auch auf die tektonischen Gegebenheiten in Europa und speziell die tief greifenden Bruchzonen des oberrheinischen Grabens auf einer Länge von 300 km und einer Ost-Westerstreckung von 30 bis 50 km ein. Über kristallinem Gestein hat der Rhein Sedimente abgelagert, die er aus den Alpen mitbrachte. Das Absenken des oberrheinischen Tiefgrabens begann vor 40 Mio. Jahren und ist auf einer Höhe von 4,5 km mit Sedimenten des Rheins aufgefüllt. Erdbeben würden immer wieder entlang der Hauptströmung vorkommen, was signalisiere, dass man in einem immer noch aktiven Gebiet lebe. Der zweitgrößte Erdbebenherd sei die Schwäbische Alb.

Die Anwesenheit des Geophysikers wurde rege genutzt um Fragen rund um das Thema Erdbeben zu stellen. Eines stellte der Fachmann klar, trotz hochsensibler Geräte sei eine exakte Vorhersage von Erdbeben nicht möglich. Sehr wohl sei man aber in der Lage ein Tsunami-Warnsystem aufzubauen.

Anna Haasemann-Dunka, RNZ

 


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