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Die frühesten Bauern in Deutschland

19. Oktober 2005

Die frühesten Bauern in Deutschland

19. Oktober 2005

ihre Landwirtschaft und Kunst 

Vortrag von Prof. Dr. Jens Lüning, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Prof. Dr. Jens Jüning Prof. Dr. Jens Lüning begann bei den Jägern und Sammlern, die einst Europa bevölkerten. Keine 100 Jahre später nahmen Bauern die besten Böden Europas in Betrieb. Sie begannen Wald zu roden, sich auszubreiten und Dörfer anzulegen. Diese Kultur des Neolithikums erhielt ihren Namen nach ihrem keramischen Stil, nach der Bandkeramik. Sie erstreckte sich vom schwarzen Meer bis über die Seine in Frankreich. Mit der frühen Bandkeramik im Jahr 5500-5350 v. Christus begann die Expansion. Dieser Phase folgten die mittlere und späte Bandkeramik (5340-4975 v. Chr.). Danach brach die Kultur, die sich mit großer Dynamik so schnell ausgebreitet hatte und gerade einmal 500 Jahre alt wurde, ebenso plötzlich zusammen und verschwand.

"Where have all these hunters gone? - Wohin sind die alle hin?" diese Frage stellten sich Archäologen über das Abtreten der Jägergesellschaften. Menschen könnten sich schnell auf neue Verhältnisse einstellen, hieß die Erklärung. Nur ein kleiner Teil der Bandkeramiker konnten Einwanderer gewesen sein. Um eine so schnelle Ausbreitung zu erreichen, sei Konformität der Einheimischen erforderlich gewesen.

Aus bisherigen Funden lassen sich folgende Schlüsse ziehen: Die Häuser der Bandkeramiker waren Langhäuser von bis zu 30 m und einer Breite von etwa zehn Metern. Das Dach eventuell aus Stroh wurde von zwei Dreierpfosten Reihen auf beiden Seiten getragen. Bewohnt wurde der Mittelteil des Hauses von etwa fünf bis sechs Familienmitgliedern. Die übrigen Bereiche waren Wirtschaftsteile.

Sie bauten Getreidesorten an, kannten das Entspelzen, Sieben und Mahlen des Getreides, das sie auf den Speicherböden der Häuser lagerten. Zu dem Haus gehörten eine etwa 1,8 Hektar große Anbaufläche und eine etwa 200 qm großer Garten, in dem Mohn, Linsen, Erbsen oder Sellerie gepflanzt wurde. Dr. Lüning sprach über den durch Funde untermauerten Brunnenbau der Bandkeramiker. An Haustieren hielt man sich Rinder, Schweine, Ziegen und Schafen. Üblich sei die Hirtenbeweidung gewesen.

Um eine so große Fläche mit nur fünf bis sechs Personen zu bewirtschaften, mussten die Bandkeramiker bereits über den von Kühen gezogenen Pflug verfügen, sagte Prof. Dr. Lüning.

Die Kultur der Bandkeramiker baute auf dem Vaterprinzip auf. Sie lebten Familien und Klan bezogen. Der Sohn baute sein Haus neben das des Vaters oder des Großvaters, was mitunter zu Wechselschritten beim Hausbau führte. Die Frau zog zum Mann. Vermieden wurde auf die Plätze der Vorfahren zu bauen. Es gab eine Verehrung der Ahnen und der Eltern, die dort gewohnt hatten.

Die Kunst der Bandkeramiker schlug sich in der Herstellung von Kleinplastiken, den Idolen, die wohl einen Ehrenplatz in den Langhäusern fanden, nieder. Von diesen Tonfiguren der Größe zwischen zehn und 30 cm seien nur Fragmente vorhanden. Sie seien zerschlagen worden. Funde von Eilsleben, von Goddelan oder Nové Vozokany bei Männer-, Frauen- oder Mensch-Tier-Figuren trügen das typische bandkeramische Muster.

Aus den Idolen ließen sich Rückschlüsse auf die Tracht, die Kleidung - aus dem Stoff Leinen wird vermutet - und die Frisuren dieser Kultur schließen. Beim Hessentag im vergangenen Jahr in Heppenheim stellte Prof. Dr. Lüning gemeinsam mit einer Gruppe Studenten das bandkeramische Leben in einer Aktionsausstellung vor. Hierbei wurden auch Frisuren und Mode kreiert, wie Lockenfrisur, Zopffrisur mit Haarkranz, Schneckenhaubenfrisur oder auch Hutmode. Die Bandkeramiker liebten es den Modellen nach zu schließen extravagant.

Anna Haasemann-Dunka, RNZ


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