Homo heidelbergensis von Mauer e.V. Druckversion |  >
Startseite
Homo heidelbergensis
Der Verein
Vereinsjugend
Rückblick
Termine/Infos
Links
Kontakt, Impressum & Datenschutz

› zurück zur Übersicht

Erinnerungen an Reinhart Kraatz zum 80. Geburtstag

Am 13. Juli 2005 würde Dr. Reinhart Kraatz 80 Jahre

Erinnerungen an Reinhart Kraatz zum 80. Geburtstag

Dr. Reinhart Kraatz auf seiner letzten Steinsberg-Exkursion im Juni 1996Am 13. Juli 2005 würde Dr. Reinhart Kraatz 80 Jahre. Er, dessen Name in weiten Kreisen mit dem Homo heidelbergensis verbunden ist, wurde im November 1996 auf tragische Weise durch einen Unfall mitten aus seinem aktiven Forscherleben gerissen. Als Kustos am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Heidelberg hat Reinhart Kraatz über Jahrzehnte hinweg den Unterkiefer des Homo heidelbergensis aus Mauer sorgsam gehütet und ihm sein Forschungsinteresse auch nach seiner Pensionierung gewidmet.

Reinhart Kraatz wurde am 13. Juli 1925 in Seesen am Harz geboren. Ab 1946 studierte er Geologie an der Bergakademie Clausthal. Dort legte er 1954 die Diplom-Geologen-Prüfung ab und promovierte 1956 zum Dr. rer. nat. bei Wilhelm Simon. Anschließend hatte er am Geologischen Institut in Clausthal eine Assistentenstelle inne. 1957 folgte er Wilhelm Simon zuerst an das neue Geologische Institut der Technischen Universität Berlin, wo er die paläontologische Sammlung einrichtete und später auch nach Heidelberg. Im Oktober 1962 trat Reinhart Kraatz die Stelle des Konservators am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Heidelberg an. Im April 1966 erfolgte die Ernennung zum Akademischen Oberrat. In Heidelberg machte sich Reinhart Kraatz besonders um die didaktisch hervorragende Gestaltung der öffentlichen Schausammlung im damals neu erbauten Geologisch-Paläontologischen Institut im Neuenheimer Feld verdient. Er war es auch, der die Mauer-Sammlung mit ihren über 4.000 Säugetierknochen zum örtlichen Schwerpunktarchiv der Hominidenforschung ausbaute. Zahlreiche Paläontologen und Anthropologen aus aller Welt kamen, um der Unterkiefer des Homo heidelbergensis zu sehen und sich auszutauschen. Für seine Pflege und Mehrung dieser wissenschaftlichen Sammlungen wurde Dr. Reinhart Kraatz 1980 vom baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst zum Akademischen Direktor ernannt.

Reinhart Kraatz war ein begeisterter und begeisternder Lehrer. Zur Einführung in die Geologie der Heidelberger Umgebung führte er Generationen von Studenten auf Exkursionen, die gute körperliche Konditionen abverlangten. Darüber hinaus machte er große Exkursionen nach Frankreich, Italien, England und Indonesien. Außerdem faszinierten ihn besonders die Vulkane auf Hawaii, wohin er wiederholt aufbrach. Er hielt Vorlesungen und Übungen ab, darunter auch immer wieder anschauliche Vorträge für die Öffentlichkeit über den Homo heidelbergensis. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Publikationen über diesen Urmenschen aus Mauer und andere frühe Hominiden.

Reinhart Kraatz wusste, dass neue Erkenntnisse über den frühesten Mitteleuropäer nur im Vergleich zu anderen Funden zu gewinnen sind: So richtete er seinen Blick über die Fundstelle in Mauer hinaus und suchte 1977 Kontakt zu dem französischen Paläoanthropologen Henry de Lumley. Gemeinsam besuchten sie die südfranzösische Arago-Höhle, dem Fundplatz des Menschen von Tautavel. Damit war der Anfang gemacht für eine lange Zusammenarbeit an den beiden Fundstellen.

Aus dieser Verbindung heraus entstand dann, gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister von Mauer Erich Mick, die Idee einer deutsch-französischen Partnerschaft zwischen den Gemeinden Mauer und Tautavel. Als diese in Südfrankreich besiegelt wurde, standen sozusagen die Ureuropäer Pate für eine Verschwisterung im heutigen Europa. Beim Festakt am 11. Juli 1981 in Tautavel hielt Reinhart Kraatz den Vortrag "Der Mensch von Mauer - ältestes Zeugnis der Menschheitsgeschichte auf europäischen Boden".

In diesem Jahr begannen auch die Planungen für das kleine Urgeschichtliche Museum im Rathaus von Mauer, das anlässlich der 75-jährigen Fundwiederkehr 1982 eingeweiht wurde. Die auch heute noch fast unveränderte Ausstellung ist ein maßgeblicher Verdienst von Reinhart Kraatz, der sein großes Fachwissen unermüdlich einbrachte und in vielen Stunden, insbesondere nachts, an der Gestaltung mitarbeitete. In dieser Zeit entstanden viele Begegnungen und Freundschaften mit Menschen aus Mauer; so besonders mit Erich Mick, der ihn mit seiner Frau Erika am Tage des 75. Fundjubiläums, am 21.Oktober 1982, kurz vor der Eröffnung und Einweihung, inmitten des Urgeschichtlichen Museums standesamtlich traute. Seither wurden dort über 500 Paare getraut!

Im 2001 gegründeten Verein Homo heidelbergensis von Mauer e.V. hätte sich Reinhart Kraatz sicherlich sehr wohl gefühlt und mit seinem reichen Wissen engagiert eingebracht. Davon sind alle im Verein, die ihn kannten, mochten und sehr schätzten, überzeugt und denken mit großer Dankbarkeit an ihren Freund Reinhart Kraatz - der vor 9 Jahren seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Mauer fand.

 


  Unsere Facebook Seite › Nach oben