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Das Geheimnis des aufrechten Gangs

09. März 2005

Das Geheimnis des aufrechten Gangs

09. März 2005

Vortrag von Prof. Dr. Carsten Niemitz

Vortrag Prof. Dr. Carsten NiemitzWarum richtete der Mensch sich auf? Diese Frage beschäftigte wie viele andere Wissenschaftler auch Prof. Dr.Carsten Niemitz, der sich im Besitz der richtigen Theorie glaubt und darüber vor dem Verein Homo heidelbergensis in Mauer berichtete. Der Vorsitzende Erich Mick stellte die beeindruckende Vita des 1945 in Dessau geborenen bedeutenden Wissenschaftlers Carsten Niemitz, der Professor für Biologie (Anthropologie und Humanbiologie) an der Freien Uni Berlin ist, vor. Von seinem reichen Arbeiten zeugen Publikationen und Filme. 1991 entdeckte er im zentralen Hochland Sulawesis sogar eine Affenart mit Namen "Tarsius dianae". 2004 erschien sein Buch "Das Geheimnis des aufrechten Ganges - unsere Evolution verlief anders". Es war zum Sachbuch des Jahres nominiert. Bevor Carsten Niemitz aber seine Idee preisgab, grenzte er sich gegen die 15 wichtigsten anderen Theorien, die es zum aufrechten Gang des Menschen gibt, ab.

Um die Hände frei zu bekommen, habe sich der Mensch aufgerichtet, lautete eine Theorie. Der hielt Prof. Niemitz entgegen, dass auch Tierprimaten ihre Hände im Freiland im Sitzen nutzen würden. Auch wegen des Wach- und Spähverhaltens in der Savanne benötige es keine dauerhafte Aufrichtung - dies sei auch an Pavianen und Meerkatzen zu beobachten, die auf vier Beinen flinker als Menschen seien und im hohen Gras nicht mehr gesehen würden.

Die Frage sei nicht allein, warum der Mensch aufgestanden sei, sondern warum er stehen geblieben sei. Den anderen Theorien zur Aufrichtung warf er Monokausalität vor und sie seien auch nicht nachprüfbar.

Für vierfüßige Tierprimaten bedeute das Aufrichten einige Nachteile. Prof. Niemitz führte den unsicheren Gang an, den höheren Energieverbrauch, die unphysiologische Belastung der Gelenke und aufgrund langsameren Fortkommens auch eine geringere Nahrungsaufnahme. Für die Aufrichtung musste es einen ungeheuren Selektionsdruck gegeben haben über einen langen Zeitraum. Nach seiner Meinung handelte es sich bei dem "aufgerichteten" Vorfahr um einen Primaten, der schon immer auf dem Boden lebte und der es auch unterließ auf Bäume zu gehen.

Prof. Dr. Carsten NiemitzÜber anatomische Betrachtungen zu Wirbelsäule, Arme und Beine folgerte er, dass längere Beine einen Vorteil hätten, wenn man im Wasser gehe. Nach seiner These lebten die Ahnen des Menschen in der Nähe von Uferbereichen, die sie zur Nahrungssuche nutzten. Dazu wateten sie im Wasser, was sie dank ihrer längeren Beine energiesparender tun konnten.

Als weitere Argumente für seine These nannte der Wissenschaftler auch Kultur übergreifende Kriterien der Humanethologie und der Psychologie. Mit dem Ufer verbinde der Mensch Lebensfreunde, einen Ort des Sich-Wohlfühlens und der Idylle. Auch ernährungspysiologische Aspekte zog er heran wie ausreichende Versorgung mit Jod oder Omega-3-Fettsäure, die nur in Wassernähe gewährleistet sei.

Er konnte Filme zeigen, in denen als wasserscheu geltende Affen Paviane und auch Gorillas sich Futter aus dem Wasser holten. Dabei zeigten sie bei Eintritt ins Wasser zweibeiniges Waten. Dieses Verhalten wurde auch bei Orang-Utans, Schimpansen und Bonobos beobachtet. Er habe 40 Affenarten gefunden, die im Freiland viel mehr Beziehung zum Wasser hätten als dies in der Literatur beschrieben sei.

Keine der bisherigen Modelle für das Aufrichten leiste eine Erklärung in so vielen Aspekten. In der Diskussion gab es durchaus kritische Stimmen zu Prof. Niemietz-Theorie. Eine Wortmeldung brachte die gut ausgebildete Sprache mit Veränderung im Rachen, Mund- und Lippenbereich und den aufrechten Gang in Zusammenhang. Der Wissenschaftler wies auf die Monokausalität dieses Modells hin. "Wann und wo ist die Aufrichtung passiert?" , war die Frage eines Zuhörers. Als Ort vermutete Prof. Niemitz das nördliche Zentralafrika, und es müsste vor ca. 6 Mio Jahren geschehen sein. Leider sei die Fundausbeute dieser Zeit sehr dünn. Die ersten Aufrechtgeher müssen also noch gefunden werden und vielleicht - so mutmaßte er - war das ja "Orrorin".

Anna Haasemann-Dunka, RNZ

 


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