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Der Urmensch von Mauer - sein Lebensraum im Wiesenbacher Tal

15. Februar 2005

Der Urmensch von Mauer - sein Lebensraum im Wiesenbacher Tal

15. Februar 2005

Verein Homo heidelbergensis beim Stadtteilverein zu Besuch

Volker LiebigWem gehört eigentlich der Urmensch von Mauer? Auch den Neckargemündern? Die meldeten beim Vortrag des Vereins Homo heidelbergensis in der Mediothek des Bildungszentrum nicht direkt Ansprüche an, aber ein bisschen spekulieren über den berühmten Unterkieferfund wollten sie schon. Bürgermeister a.D. Erich Mick, der Vorsitzende des Vereins Homo heidelbergensis, und Volker Liebig, Diplom-Geologe und zweiter Vorstand waren zu Gast beim Stadtteilverein Wiesenbacher Tal, und sie waren gekommen, um zu informieren und um für den Verein und sein Ziel, den Bau eines Hominidenzentrums in Mauer zu werben.

Die Mediothek war vollbesetzt, was auch den Geschäftsführer des Berufsbildungswerkes, Jörg Porath freute. Der Vorsitzende Erwin Becker hieß im Namen des Stadtteilvereins herzlich willkommen. Er beschloss auch den Abend am Ende mit einem Dankeswort, in dem er die vielen anregenden Gedanken des Abends kurz noch einmal Revue passieren ließ.

Verein Homo heidelbergensis vorgestellt

Erich Mick sprach die Besucher des Vortrags "Der Urmensch von Mauer - sein Lebensraum im Wiesenbacher Tal" mit "liebe Anverwandte" an - schließlich würden ja alle vom Mauermer Urmensch abstammen, der vor 600 000 Jahren in diesen Regionen lebte. Die Frage, wem gehöre der Unterkieferfund, sei vor Jahren auch im Hause des verstorbenen Landwirtschaftsministers Dr. Gerhard Weiser gemeinsam mit Lothar Späth diskutiert worden, erinnerte er sich. Dieser sei sich sicher gewesen, dass der Urmensch Schwabe gewesen sein musste. Bürgermeister Mick konterte damals: "Da könnten sie recht haben, denn nur in ein ganz besonders großes Mundwerk passt der Unterkiefer hinein."

Soviel zu den spaßigen Momenten des Abends, der ansonsten reich gefüllt war an Fakten und Information. Erich Mick berichtete über die Aufwertung der Gemeinde Mauer als Fundort mit Einrichtung eines kleinen urgeschichtlichen Museums, was maßgeblich auch dem bereits verstorbenen Wissenschaftler Dr. Reinhart Kraatz vom geologisch-paläontologischen Institut der Uni Heidelberg zu verdanken war. Die Kontaktpflege zu Wissenschaftlern, die partnerschaftliche Verbindung zum französischen Tautavel - hier wurde der zweitälteste Europäer gefunden, legten die Basis für die Gründung des Vereins Homo heidelbergensis mit Sitz und Infozentrum im historischen Heid'schen Haus (1630 erbaut).

Auch über das von der Klaus-Tschira-Stiftung finanzierte Projekt, die weltweit verstreuten Funden aus Mauer wieder zurückzuführen, eine Aufgabe, die für zwei Jahre ein Jungwissenschaftler wahr nimmt, sprach Erich Mick. Geplant sei weiterhin die Fundstelle des Urmensch-Unterkiefers, an der der Sandgrubenarbeiter Daniel Hartmann 1907 seine Entdeckung machte, wieder freizulegen.

Von Europa bis Afrika verbreitet

Diplom-Geologe Volker Liebig beleuchtete das Thema des Vortrags "Der Urmensch von Mauer - sein Lebensraum im Wiesenbacher Tal" von verschiedenen Seiten. Er stellte die drei heimischen Gesteinsarten Buntsandstein, Muschelkalk und Löss und ihre Entstehungsgeschichte vor, sprach über Mäanderbildung von Flüssen und erklärte die Begriffe Gleithang und Prallhang. Als Gleithang bezeichne man das kurveninnere Ufer eines Flusses, an dem durch die hier geringere Strömung Material abgelagert werde. Das kurvenäußere Ufer werde Prallhang genannt. Die hier stärkere Strömung trage Material ab. Durch die Erosionsprozesse verlagern sich die Schlingen eines Flusses im Laufe der Zeit. Trifft ein wandernder Prallhang rückseitig auf einen anderen, entstehen Mäanderdurchbruch und Umlaufberg. Es war die 16 km lange Neckarschlinge, die das Wiesenbacher Tal und den Hollmuth schuf, eine der größten Flussschleifen europaweit. Er streifte die bewegte Geschichte des Unterkiefers, der beinahe nicht die Einlagerung ins Salzbergwerk Kochendorf während des zweiten Weltkrieges "überlebte".

Volker Liebig schätzte den Unterkiefer auch als Gegenstand der Forschung ein. Obgleich die Wissenschaft zur Fundzeit des Homo heidelbergensis sich den Stammbaum der Menschen noch zusammenraten musste, sei sich der Altertumsforscher Otto Schoetensack sicher gewesen: Der Homo war ein Mensch. Ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Affe und Mensch sei die Form des Unterkiefers, erfuhr das Publikum. Beim Affen sei diese u-förmig, beim Menschen v-förmig. Heutzutage kann die Wissenschaft dank modernster Untersuchungsmethoden jede Menge aus dem Unterkiefer lesen. Beispielsweise, dass der dazugehörige Mensch etwa 20 bis 30 Jahre alt gewesen sein müsste und eher männlichen Geschlechts. Außerdem war er wohl Rechtshänder. Kratzspuren an seinen Zähnen weisen auf den stärkeren Gebrauch der rechten Hand hin. Er beschloss seinen Ausführungen mit Abbildungen des Homo heidelbergensis, die aus auf dem Unterkiefer aufbauenden Rekonstruktionen resultierten, und mit einer Beschreibung seines Lebensumfeldes. Der Urmensch habe hier ein gemäßigtes warmes Klima vorgefunden, in dem sich Flusspferde und Waldelefanten wohl fühlten. Der Homo heidelbergensis stehe für eine Menschengruppe, die von Europa bis nach Afrika hinein verbreitet war, er habe den Gebrauch des Feuers gekannte und Speere zur Jagd eingesetzt.

Zu Comic inspiriert

Wolfgang Beck, zweite Vorsitzende des Stadtteilvereins, bedankte sich bei den beiden Referenten und trug einen kühnen Gedanken vor, die einen Eberbacher Künstler zu einem Homo heidelbergensis Comic inspiriert hatten. Dort wo im Mittelalter die Burg Reichenstein thronte, sah er in Urzeiten Höhlen im Buntsandstein bewohnt von Urmenschen, die hier ihre Sommerresidenz hatten und den Blick auf den Dilsberg genossen. Sie folgten auf der Jagd den großen Tierherden - vielleicht bis nach Mauer.

Anna Haasemann-Dunka, RNZ

 


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