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Vater des Neandertalers und des Homo sapiens in Afrika

18.04.2007

Vater des Neandertalers und des Homo sapiens in Afrika

18.04.2007

Dr. habil. Jürgen Schweizer ordnete in seinem Vortrag den Homo heidelbergensis in den Stammbaum des Menschen ein

Juergen SchweizerEs war der letzte Vortrag einer Reihe, mit denen der Verein Homo heidelbergensis  von Mauer e.V. vor Beginn der Ausstellung am 16. Juni das Jubiläumsjahr zur 100. Fundwiederkehr des Urmenschen von Mauer einleitete. Den Vortrag hielt der Wissenschaftler des Vereins, Dr. habil. Jürgen Schweizer, wie ihn der Vorsitzende Erich Mick im vollbesetztem Katholischen Pfarrzentrum begrüßte. Er lebt seit gut 30 Jahren in Mauer, ist zweiter Vorsitzender des Vereins und habilitierter Chemiker. Jürgen Schweizer begab sich in seinem Vortrag auf Spurensuche, um die Ahnenreihe des Homo heidelbergensis vorzustellen und ihn einzuordnen.

Als Daniel Hartmann im Jahr 1907 den ihm zugewiesenen Ausspruch „Heit haw’ ich den Adam gfunne“ nach Fund des Unterkiefers in den Mauerer Sanden tat, konnte man den Homo heidelbergensis schon zeitlich einbinden. Er stand mit dem 1891 entdeckten Java-Mensch am Anfang der Ahnenreihe, gefolgt vom Cro-Magnon-Mensch (1868 gefunden) und dem 1856 bei Mettmann aufgespürtem Neandertaler. Seither hat sich das Bild ergänzt durch weitere Funde weltweit verändert. Die Wissenschaft musste von der Theorie Abschied nehmen, dass die Wiege der Menschheit in Europa stand und Afrika als Ursprungsort akzeptieren.

In Carl von Linnés aufgestellter Ordnung der Säugetiere bildet der Mensch zusammen mit den Menschenaffen die Familie der Hominiden. Die Übereinstimmung zwischen Mensch und Menschenaffen in der DNA-Erbsubstanz ist groß, insbesondere mit den Schimpansen, so dass eine Verwandtschaft nicht von der Hand zu weisen ist.

Mit dem Rückzug des Regenwaldes in Afrika vor 9 bis 7 Mio. Jahren wurde es deutlich enger für die Bewohner, und so wichen sie in die neu entstandenen Galeriewälder aus, was eine Anpassung an veränderte Lebensbedingungen und an ein neues Nahrungsangebot bedeutete. Die ausgewanderten Hominiden, die den aufrechten Gang erlernten, waren sozusagen die Gründungsväter der Menschheit.

Die ältesten Funde aus Ost- und Zentralafrika mit Sahelanthropus tschadensis, Orrorin tugenensis und Ardipithecus ramidus kaddaba fallen genau in diese Zeit, als sich Mensch und Schimpanse in ihrer Entwicklung voneinander trennten.

Das nächste wichtige Datum in der Menschheitsgeschichte ist das Erscheinen der Australopithecinen vor 4,5 Mio. Jahren, die zu den näheren Verwandten gezählt werden dürfen. Mit 1,40 m noch klein von Gestalt lag ihr Gehirnvolumen mit 450 ccm wenig über dem des Schimpansen (400 ccm).

Vor ca. 2,5 Mio. Jahren betrat mit dem Homo habilis und dem Homo rudolfensis der erste Mensch die Bühne und zwar ebenfalls in Ostafrika. Ihm folgte Homo ergaster, der es schon auf ein Gehirnvolumen bis 900 ccm brachte und der dem modernen Menschen schon sehr viel ähnlicher sah. Jürgen Schweizer beschrieb ihn als ausdauernden Läufer, dessen Körperbehaarung zurückging und der Schweißdrüsen ausbildete. Die Erfindung des beidseitig bearbeiteten Faustkeils (Acheuléen-Kultur) wird ihm zugeschrieben und wahrscheinlich kannte er auch das Feuer. Seine größte Leistung aber war, dass er als erster Hominide Afrika verließ. Er wanderte in Richtung Osten - vielleicht dem Savannengürtel folgend oder eben ganz menschlich von Neugier getrieben? In Asien entwickelte er sich zum Homo erectus und sein Gehirnvolumen überschritt die 1.000 ccm Grenze. Als mysteriös bezeichnete Schweizer, dass er Faustkeile wohl nicht kannte. Daraus lässt sich schließen, dass seine Auswanderung bereits in der Frühphase des Homo ergaster erfolgte, denn der asiatische Homo erectus kannte nur Steinwerkzeuge vom Oldowan-Typ aber nicht die ab 1,6 Mio. Jahren in Afrika auftauchenden Acheuléen-Faustkeile. Auch bis Java kam er und dort gibt es ein ungelöstes Rätsel um kleine Menschen, denHomo floresiensis – er kam wohl zwischen 1,3 Mio. Jahren und 800.000 Jahren über Afrika hierher und die Frage stelle sich, ob diese Gruppe ein Vorläufer war oder eine Sackgasse darstellte.

Welche Arten der Gattung „Homo“ Europa entdeckten, darüber hat die Wissenschaft noch keine klare Vorstellungen.  Die ältesten Hominidenfunde in Südeuropa werden auf ein Alter zwischen  780.000 bis 1 Mio. Jahren datiert und tragen den Namen Homo antecessor. Vieles deutet darauf hin, dass es sich um Nachfahren des frühen Homo ergaster handelt. 

Der älteste mitteleuropäische Hominide ist der Homo heidelbergensis, der wie zahlreiche Fundstellen belegen von 600.000 bis 250.000 Jahren Zentraleuropa bevölkerte. Seine Schädelvolumen betrug 1.200 bis 1.300 ccm. Er war in der Lage Speere herzustellen, kannte Behausungen, Feuer, Steinwerkzeuge und verfügte über Sprachfähigkeit. Man nimmt an, dass auch er seine Wurzeln in Afrika hat. Aus ihm heraus entstand vor 250.000 bis 200.000 Jahren der Neandertaler, der damit der erste europäische Mensch ist, der nicht aus Afrika einwanderte.

Währenddessen entwickelte sich aus dem afrikanischen Homo heidelbergensis, so die wissenschaftliche These, der Homo sapiens. Er breitete sich zunächst in Afrika, dann Richtung Osten aus und wanderte vor etwa 40.000 Jahren nach Europa und vor 14.000 Jahren über Sibirien nach Amerika ein. Nach und nach hat er sich sämtliche Kontinente erobert  und ist Weltbürger geworden.


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