Homo heidelbergensis von Mauer e.V. Druckversion |  >
Startseite
Homo heidelbergensis
Der Verein
Vereinsjugend
Rückblick
Termine/Infos
Links
Kontakt & Impressum

› zurück zur Übersicht

Die Neckarschlingen bei Mauer - Lebensraum des Homo heidelbergensis

14.03.2007

Die Neckarschlingen bei Mauer - Lebensraum des Homo heidelbergensis

 

14.03.2007

Volker LiebigBereits seit tausenden von Jahren prägt der Neckar die Landschaft und das Leben der Region. Doch was wissen wir eigentlich von seiner Geschichte, die so stark mit unserer eigenen verwurzelt scheint? Bei dem vom "Homo heidelbergensis von Mauer e.V." präsentierten Vortrag "Die Neckarschlingen von Mauer - Lebensraum des Homo heidelbergensis" gab Diplom-Geologe Volker Liebig einen informativen Überblick über die Geschehnisse während einiger Millionen Jahre Flussgeschichte. Er ging im zum Bersten gefüllten Saal des Katholischen Pfarrzentrums der Frage nach, wieso der Ur-Neckar einst am heutigen Mauer vorbei floss.

Wolle man sich mit der Geschichte der Neckarschlingen beschäftigen, so stellte Volker Liebig zu Beginn seiner Ausführungen dar, könne man die heutigen Bilder des breiten, strömungsarmen Neckar getrost vergessen: "Das hat ganz anders ausgesehen." Zugleich müsse man sich, um den damaligen Verlauf des Flusses nachvollziehen zu können, mit der Geologie der Region und den vorkommenden Gesteinen beschäftigen: Buntsandstein, Löss und Muschelkalk.

Der Muschelkalk, so erläuterte Volker Liebig, sei ein im Vergleich zum ebenfalls verbreiteten Buntsandstein deutlich weicheres Gestein: Für einen Fluss sei es an einer solchen Stelle einfacher, Material vom Ufer abzutragen und sich in die Landschaft einzuschneiden. Am Beispiel des Flusslaufes bei Obrigheim veranschaulichte Volker Liebig das Phänomen: "Hier passiert es, dass der Neckar auf Buntsandstein trifft: Sofort macht er eine scharfe Kurve, da hat er zu knabbern." Umgekehrtes könne man bei der Mauerer Neckarschlinge beobachten, wo der Fluss, aus dem härteren Buntsandstein kommend, auf Muschelkalk traf: "Hier hat er das weiche Gestein angetroffen und die Möglichkeit gehabt, einen weiten Bogen zu schlagen." Vor rund zwei Millionen Jahren lag bei Neckargemünd der Eingang der Neckarschlinge, die sich zu jenem Zeitpunkt jedoch lediglich bis zum heutigen Wiesenbach erstreckte, bevor der Fluss einen Bogen machte und weiter Richtung Heidelberg floss.

Blockbild Neckar vor 1.000.000 JahrenAls dritte Gesteinsart stellte Volker Liebig den Löss vor, ein im Kraichgau sehr häufiges Sediment, das während der späteren Eiszeit aufgrund der kargen Vegetation vom Wind wegtransportiert und an anderer Stelle wieder abgelagert wurde. Jener Löss liege "wie eine Art Weichzeichner über der Landschaft" und habe im Laufe von Jahrtausenden, also bereits nach der "Hochphase" der Neckarschlinge, beispielsweise im Windschatten des Umlaufberges Hollmuth, Ablagerungen gebildet. Unter diesen liegt dort heute, in weit über zehn Metern Tiefe, das einstige Neckartal.

Auch die Begriffe Prallhang und Gleithang galt es bei jener Gelegenheit zu erläutern: Der Prallhang bezeichne das kurvenäußere Ufer eines Flusses, der Gleithang das kurveninnere. Während das Kurvenäußere durch die hier stärkere Strömung im Laufe der Zeit abgetragen werde, lagere sich am Kurveninneren das vom Fluss mitgeführte Material allmählich ab. Dieser stetige Erosionsprozess bewirke, dass sich die Schlingen eines Flusses mit der Zeit verlagern, und sich einmal bestehenden Mäander verstärken, erklärte Volker Liebig.

Auf eben diese Weise sei auch die Mauerer Neckarschlinge gewandert: Vor etwa einer Millionen Jahren und noch vor 600.000 Jahren, zur Zeit des Homo heidelbergensis, floss der Neckar vorbei an Mauer, schlug einen weiten Bogen über Bammental und floss auf der Rückseite des heutigen Hollmuth zurück nach Heidelberg. Die Neckarschlinge war damit circa 16 bis 18 Kilometer lang und ihr Tal bis zu drei Kilometer breit: "Ein Riesending", wie Volker Liebig betonte, und deutschlandweit eine der größten Schlingen überhaupt.

Blockbild Neckar heute"Man sieht förmlich, wie der Fluss bei Neckargemünd Schwung geholt hat, um dann relativ gerade in Richtung Mauer zu rauschen", beschrieb Volker Liebig die Kräfte jenes Ur-Neckars. Zu Beginn sei er relativ schnell geflossen, habe dann auf Höhe der größten Ausdehnung der Schlinge seine Geschwindigkeit und damit seine Transportkraft verringert: "Das ist ganz wichtig, um zu verstehen, warum der gefundene Unterkiefer da lag, wo er gefunden wurde", betonte Volker Liebig.

Warum aber hat der Neckar vor rund 100.000 Jahren seinen Lauf wieder verkürzt? "Als Ursache wird unter anderem aufgeführt, dass der Neckar so viel Sand un Kies mitgeführt hat, dass er sein eigenes Bett zugeschüttet und sich selbst herausgedrängt hat", erläuterte Volker Liebig den Forschungsstand. Hinzu komme die bereits um jene Zeit sprudelnde Elsenz, die den Neckar ebenfalls weiter verdrängt haben dürfte. So habe sich der Neckar, unterhalb des heutigen Hollmuth, mit der Zeit eine Durchbruchstelle gebahnt: Im Laufe der Jahrtausende hätten sich hier zwei wandernde Prallhänge allmählich angenähert, so dass der Neckar bei Hochwasser an jener Stelle über das Ufer getreten sei. Und sich irgendwann durch die stetige Abtragungsarbeit so weit in die Durchbruchstelle eingeschnitten habe, dass er schließlich nur noch diesen kürzeren Weg genommen habe - und die dahinter liegende Neckarschlinge trocken fiel. "Das ist eigentlich relativ einfach - wenn man die Zeit hat", so Volker Liebig schmunzelnd: "Und ein Fluss hat Zeit."


  Unsere Facebook Seite › Nach oben