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100 Jahre Homo heidelbergensis - Geschichte und Geschichten des Unterkiefers von Mauer

17. 01.2007

100 Jahre Homo heidelbergensis - Geschichte und Geschichten des Unterkiefers von Mauer

17. 01.2007

Die Entdeckung des Unterkiefers war kein Zufallsprodukt

Vortrag von Dietrich Wegner im voll besetzten kath. Pfarrzentrum

Vortrag WegnerAls Ausgangspunkt für seinen Vortrag "100 Jahre Homo heidelbergensis" im bis auf den letzten Platz besetzten kath. Pfarrzentrum nahm Dietrich Wegner ein Luftbild der Gemeinde, eine Abbildung des urmenschlichen Unterkiefers und seines findigen Entdeckers, des Sandgrubenarbeiters Daniel Hartmann vor dem Hintergrund der Fundstelle in der Sandgrube Grafenrain. Erich Mick, Vorsitzender des Vereins Homo heidelbergensis von Mauer e.V., stellte den Referent, der Vorstandsmitglied im Verein sowie Forscher und Lehrer am Adolf-Schmitthenner-Gymnasium in Neckarbischofsheim ist, vor. Er konnte auch von einem besonderen Ereignis, einem Treffen mit den Nachfahren Daniel Hartmanns zu Beginn des Jahres berichten. Noch bis vor wenigen Jahren habe man nichts von ihrer Existenz gewusst.

Die 100jährliche Fundwiederkehr, die mit einer Vortragsreihe und einer Jubiläumsausstellung ab Mitte Juni richtig ins Bewusstsein gebracht wird, hat schon im Vorfeld viele Kräfte des Vereins mobilisiert, um die 100jährliche Geschichte und der mit ihr verbundenen Menschen und Wissenschaftler durch historisches Bildmaterial lebendig werden zu lassen. Dietrich Wegner präsentierte in seinem Bericht, der im Jahr 1830 begann, teilweise neu entdeckte Bilder.

Der Wissenschaftler Heinrich Georg Bronn, der einen geologischen Führer der Gegend unter praktischen Nutzungsgesichtspunkten für den Abbau herausgab, erwähnte erstmals Funde urweltlicher Tiere in Mauer. Dietrich Wegner bezeichnete ihn als geistigen Vater des Unterkieferfundes. Er war ein bedeutender Wissenschaftler und besaß eine Privatsammlung mit Fundstücken, die mit seinem Weggang nach Amerika an die Universität Harvard gelangte. Da die Sammlung noch bestehe, wolle man sie sich anzuschauen und er hoffte, dass für Mauer einige Fundstücke aus der Sammlung dazukommen würden.

Die Fossilien-Funde jedenfalls signalisierten den Wissenschaftern, dass auch mit einem Menschenfund gerechnet werden müsse. Dietrich Wegner betonte, dass die Entdeckung des urmenschlichen Unterkiefers kein Zufallsprodukt war. Die Sandgrubenarbeiter seien regelrecht geschult worden und 1907 war es dann soweit.

Daniel Hartmann war 53 Jahre alt, als er den Unterkiefer des Homo heidelbergensis in der Sandgrube Grafenrain auf der Schippe hatte. Neue Fotos des Finders konnte Dietrich Wegner zeigen, ebenso wie einen kleinen Filmausschnitt, in dem auch der legendäre Satz Daniel Hartmanns fiel: "Heit haw ich de Adam gfunne."

Den Männern aus Mauer, den Sandgrubenarbeitern galt die Aufmerksamkeit. Neben Daniel Hartmann wurde insbesondere Josef Rösch ein hoch verdienstvoller Mensch genannt - was an Fossilien zutage gefördert wurde in Heidelberg an der Universität abgeliefert.

Die Wissenschaftler, die an der Forschung um den Unterkiefer beteiligt waren, hießen Otto Schoetensack, Hermann Klaatsch und Wilhelm Salomon-Calvi. Während Otto Schoetensack die Monografie über den Unterkiefer schrieb- sie lag bereits ein Jahr nach dem Fund vor, was einer Spitzenleistung gleichkomme, war der Anthropologe Hermann Klaatsch so zu sagen der Verarbeiter des Kiefers, der dessen Form beschrieb. Dabei bediente man sich der noch jungen Technik der Röntgenstrahlen, was Wegner High-Tech-Forschung in der damaligen Zeit nannte. Die Geologie des Fundortes erforschte Wilhelm Salomon-Calvi, der Leiter des geologischen Instituts.

Der Unterkieferfund machte hungrig nach mehr. Der dazu gehörende Schädel wurde gesucht, doch stattdessen weitere Tierfossilien entdeckt. Speziell von der Sandgrube Grafenrain konnte Dietrich Wegner einiges Bildmaterial vorweisen, zu dem man auch noch einige Fragen hatte, auch in Sachen Datierung.

Daniel Hartmann wurde 1948 zum Ehrenbürger ernannt und verstarb im Alter von 97 Jahren am 23.Januar 1952. Bis zu seinem 75.Lebensjahr hatte er in der Sandgrube gearbeitet. Noch bis 1962, als die Grube aufgegeben wurde, wurden Funde gemacht.

Vortrag WegnerDietrich Wegner beschloss seinen Vortrag mit der Nennung verdienstvoller Menschen um den urmenschlichen Unterkiefer der vergangenen Jahrzehnte, allen voran den Ortschronist Albert Haaf, aber auch Bürgermeister a.D. Erich Mick und Dr. Reinhart Kraatz, die die Beziehungen zur französischen Partnerstadt Tautavel, Fundort des Schädels eines prähistorischen Menschen Homo erectus, intensivierten. Mit Dr. Kraatz begab sich der Unterkiefer des Homo heidelbergensis auch auf Reisen wie 1984 nach New York. Und auch der Heimatforscher Hubert Maria Pfisterer verfasste ein Dossier über den Urmensch, den "Kiefers Karl", wie er ihn nannte. Der hätte eigentlich Homo Mauerensis heißen müssen, aber damals seien wohl die Gemeinderäte nicht auf Zack gewesen, mutmaßte er in seinem Gedicht. Es war Adelheid Grill, die den informativen Vortrag mit einem mundartlichen Zitat aus der Feder Hubert Pfisterers beschloss.

Anna Haasemann-Dunka, RNZ 


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